Fachschaft Raumplanung

Selbstbestimmte Lehre

In der jüngsten Vergangenheit haben Studierende der Raumplanung die Möglichkeit wahrgenommen ihre eigenen Lehrveranstaltungen zu gestalten. Dies geschah 2011 im Rahmen eines P3`s bei dem eine Studierendenkonferenz organisiert wurde. Im WS 2013 haben sich Studierende mit dem Thema „Commons“ auseinandergesetzt und haben eine Exkursion zur Biennale nach Venedig und verschiedenste Veranstaltungen organisiert (mehr Informationen findest du dazu HIER)

Falls du die Idee hast auch ein Thema in einem selbstbestimmten Format zu bearbeiten, dann stehen wir dir gerne Rede und Antwort.

Ausführliche Information zu selbstbestimmter Lehre findest du hier in Kürze.

Die Akademie und das Kloster, eine kritische Betrachtung von Lehr- und Lernmodellen an Universitäten.

Es besteht ein großer Unterschied  zwischen selbstbestimmter und selbstorganisierter Lehre. Wie das Wort selbstorganisiert schon andeutet, liegt der Schwerpunkt hier bei organisatorischen Belangen und weniger bis gar nicht bei inhaltlichen Themen. Also das selbstständige Erarbeiten bzw. Bestimmen von Lernzielen, Inhalten und Methoden. Letztlich kann man oft nur noch die Methode oder die Zeiteinteilung innerhalb eines engen Rahmens selbst wählen. Der Zeitraum, das Thema, meist auch der Ort oder die begleitende Lehrkraft ist vorbestimmt. Die Thematik bzw. die Idee des selbstbestimmten Lernens geht aber viel tiefer, denn, und das ist der springende Punkt, es fordert und fördert die Entwicklung des eigenen Interesses an einer bestimmten Thematik.

Im Mittelpunkt steht hierbei, dass eine Gruppe bzw. eine Person ein Thema selbst wählt und sich innerhalb eines Zeitrahmens (kann, muss aber nicht vorgegeben sein)  selbst Ziele steckt. Des Weiteren sollten auch die Methoden des Lernens, als auch die der Ausarbeitung selbst gewählt werden dürfen. Handlungsspielräume sollten flexibel und erweiterbar sein, um möglichst offen auf  strukturelle bzw. inhaltliche Veränderungen reagieren zu können. Sind diese Prinzipien gegeben, kann eine solche Art von Lehre emanzipatorische Effekte sowohl auf das Subjekt als auch auf die Gruppe haben. Gemeint ist hier einerseits das Herausarbeiten einer eigenen Meinung andererseits auch die Stärkung des Subjektes im Umgang mit institutionellen Strukturen.

Denn der Charakter von Lehre an Universitäten ähnelt mehr und mehr einem  klösterlichen Prinzip von Wissensweitergabe. Was wir benötigen ist ein offenes Lernmodell. Damit ist eine kontinuierlich erweiternde Lernumwelt gemeint. Die Idee dieses Modells gleicht Platons Akademie, in der  SchülerInnen/ StudentInnen nicht als Objekte der Wissensvermittlung betrachtet, sondern als Partner beim Lernen bezeichnet wurden. Dieses Modell unterscheidet sich ganz und gar von dem des Klosters (Universität),  dessen Geist sich eher in der Benediktinerregel widerfindet: „Denn Reden und  Lehren kommt dem Meister zu, Schweigen und Hören ist Sache des Jüngers.“ Ironischerweise neigt die Universität derzeit dazu, sich am  klösterlichen Sender-Empfänger-Modell zu orientieren.

Auf allen institutionellen Ebenen (Forschung, Lehre) wird auf Grund eines Ressourcenmangels das neoliberale Verwertungsprinzip immer stärker gelebt und  weitergegeben. Jedoch sobald man sich ein wenig intensiver mit dem Zustandekommen  von neuen Ideen und Innovation befasst, wird man schnell auf divergierende Prinzipien stoßen. Steve Johnson beschreibt das sehr  detailliert in seinem Buch „Where good ideas come from“. So  sind eine offene, möglichst barrierefreie Wissensweitergabe und ein heterarchisches System innerhalb von wissensgenerierenden Einheiten eine der elementaren  Bestandteile dieses Prinzips. Deshalb sollten solche Lehrmodelle intensiver in den universitären Alltag inkludiert werden und gehören gefördert.

Der kritische Diskurs bzw. die platonische Idee von Lehre hat in den letzten  Jahrzehnten immer mehr abgenommen. Eigeninitiative wird nicht mehr gewollt und schon gar nicht mehr gefördert. Auch ist die klassische Gewichtung einer diskursiven Lehre innerhalb eines notengebenden Systems nur  mangelhaft gegeben. Doch ist kritisches Denken und der kritische Diskurs mit Mitmenschen essentieller Teil der universitären Idee. Der vermehrte Wunsch nach Kochrezepten und To-Do Listen von Seiten der Studierenden ist  auch darauf zurückzuführen, dass das Schul- und Universitätssystem ihre StudentInnen und SchülerInnen nicht zu emanzipieren vermag bzw. ihnen nicht nur nicht beibringt sich selbstständig und aus eigenem Interesse  kritisch mit Sachverhalten zu beschäftigen, sondern sogar eben dieses Interesse schon in frühester Kindheit zu nehmen vermag.

Im Rahmen von prozessorientiertem Arbeiten in selbstorganisierten Lehrveranstaltungen besteht die latente Gefahr, dass sich Studierende einen zu großen Workload auflasten, oder dass Prozessabläufe zu wenig aufeinander abgestimmt sind und sich dadurch der Workload, mangels effizienter Arbeitsabläufe ins  unermessliche steigert. Auf Grund dessen benötigt dieses Format diskursorientierte Lehrende um in regelmäßigen Zeitabständen den Studierenden Rückkopplungsmomente zu gewährleisten. Sowohl das Einschätzen des  eigenen Arbeitsaufwands als auch die Möglichkeit eines gleichberechtigten Diskurses mit Lehrenden sind also essentielle Herausforderungen für Studierende und Lehrende in einem solchen Lehr- und Lernformat. Zu guter  Letzt ist es auch sinnvoll nochmal die Eigenverantwortung von Studierenden an der Diskursteilnahme herauszustreichen, ohne die solche Formate auch nicht funktionieren können, was für manche Studierende auf Grund von mangelnder Erfahrung im Vorfeld durchaus ein Problem  darstellen kann.

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