Fachschaft Raumplanung

Common Ground – worum geht es eigentlich?

Die Raumplanung hat viele Bereiche, die es zu fokussieren gilt. Doch so recht ausklammern lässt sich bei jedem Fokus eine Komponente nie: die Menschen!

Die Räume, die es zu ordnen und zu beplanen gilt sind auch immer das Habitat der Menschen. Die Form der Bottom-up-Politik und –Planung ist immer noch viel zu selten zu beobachten. Immer wieder wird von oben herab geplant. Sei es die Elbphilarmonie in Hamburg, diverse Autobahnen oder auch die Mariahilfer Straße, bei der zwar eine „Scheinbeteiligung“ initiiert wurde, die Entscheidungen aber trotzdem auf politischer Ebene diskutiert und getroffen werden. Umso sinnvoller ist es eben die Menschen partizipieren zu lassen, ob es jetzt im Vorfeld einer Entscheidung, der Entscheidungsfindung selbst oder eben der Bespielung des Raumes ist.

Die Themen Common Ground und Commons behandeln eben genau den Prozess der Einbeziehung verschiedenster Akteure_innen. Die Definition von Common Ground und Commons ist dabei sehr wichtig.
Die diesjährige Biennale in Venedig hatte sich genau diese beiden Themen gewidmet und eindrucksvoll gezeigt, warum eine klare Definition so schwer fällt. Die Wahrnehmungen der einzelnen Aussteller_innen waren sehr heterogen. Teilweise ließ sich gar keine Verbindung zu dem Thema herstellen. Zaha Hadid zeigte zum Beispiel Studien verschiedener Körper. Welche diese mit dem
Thema oder Räumen zu tun hatten war uns ein Rätsel. Die Verbindung mit Autodesign-Studien würde an dieser Stelle einfacher fallen. Andere wiederum machten den Planungsprozess auf unterschiedliche Weise zum Thema: Chipperfield selbst präsentierte
ein Projekt, bei dem mehrere Architekten zusammen arbeiteten und das Gelände des Pharmahersteller Novartis in Stuttgart entwarfen.
Im serbischen Pavillon hingegen war ein großer weißer Tisch aufgestellt, der jeden Gast einlud sich an diesen zu stellen und die Musikinstallation (Es konnte auf dem Tisch getrommelt werden) selbst zu bespielen.

Im US-amerikanischen Pavillion waren verschiedenste Projekte dokumentiert, die sehr unterschiedlich waren. Sie reichten von Guerilla-Gardening über die Installation von Seedbombautomaten bis hin zu Kunstinstallationen durch einzelne
Akteuren_innen. Um weitere Initiierungen anzuregen war der Projektbeschreibung eine Art Hardfact – Anleitung beigegeben, die die wichtigsten „Needs“ wie Kosten und Gruppengröße benannte. Darüber hinaus hat sich auch die Wichtigkeit des Wissneskollektivs herauskristallisiert. Nicht nur die aktive Teilnahme oder Nutzung eines Projektes sind von Bedeutung, sondern auch das Beitragen
von Informationen und Daten für diesen Service. Die Biennale zeigte wie stark doch das Verständnis von Commons und Common Ground variiert. Sehr groß war die Distanz zwischen dem dort gezeigten Verständnis und unserer Definition. Die Differenzen regten bei uns in der Gruppe über Tage hinweg eine starke Diskussion an, die gezeigt hat, wie schwer diese Themen zu fassen sind und wie
wichtig es ist sich mit dem Diskurs zu beschäftigen.

Eine weitere Auseinandersetzung mit den beiden Themen sollte geschehen, da eine gute Definition, klare Position, Kommunikation von Position und Definition sehr wichtig ist und den Planungserfolg im Sinne des Menschen determiniert.

Doch wie schafft man einen Common Ground, eine Umgebung in der aktive Beteiligung, Diskurs und Vernetzung als integraler Bestandteil Gesehen werden kann?

Der erste Schritt wurde bereits durch die Abhaltung der Exkursion im Sinne einer selbstbestimmten Lehrveranstaltung gesetzt, denn
der erste Schritt besteht in der Emanzipation von bestehenden Verhältnissen. Erst mit diesem Bruch kann neues entstehen und ein Prozess initiiert werden der von den Akteuren getragen und weiterentwickelt werden kann. Eine Prämisse die diesem zugrunde liegt ist unter anderem die Befreiung von den zeitlichen Zwängen der Semestereinteilung. Kreativität und Prozesse können nicht erzwungen werden, sie benötigen Zeit zur Entfaltung. Ein Prozess muss zulassen können. Es geht um das ermöglichen des Unmöglichen.
Nicht kontrollieren sondern steuern. Vor allem im Hinblick auf die Thematik der Commons ist die Partizipation und der offene Diskurs wichtig. Jeder hat ein kreatives Potential welches man nutzen kann und ein gewisses Bild das es abzufragen gilt, denn die Definition der Common Ground obliegt nicht einer Person oder einer Gruppe, sondern der Masse. Common Ground ist eben CommonGround.

Die Initiierung des erweiterten Prozesses wird durch das Ausrufen der Republic of Common Ground symbolisiert und ist Startpunkt für den aktiven Wissensaustausch und die Einbindung derjenigen welche Interesse an diesem Thema hegen. Die Vielfältigkeit der Meinungen, Ideen und Beiträge spiegeln die unterschiedlichen Ansätze und Zugänge, welche man zu dieser Thematik haben kann wieder.

Die Zuspitzung, also die Definition des Begriffs Common Ground und die Positionierung erfolgt im Laufe des Prozesses unter Einbeziehung der Bürger und Bürgerinnen der Republik. Wir wollen unsere Position zur Biennale und unsere Meinung durch die Verfassung der Republik zum Ausdruck bringen, sehen es aber als Diskussionsgrundlage und als dynamisches Papier, welches im weiteren Prozess weiterentwickelt, ausgebaut und redigiert werden kann.

Die Verfassung ist Common Ground.
Die Raumgalerie welche von uns zu Beginn bespielt wird dient, im Gegensatz zur Verfassung als großformatige Projektionsfläche unserer bisherigen Gedanken und soll das Thema Common Ground grafisch aufbereiten und als Ergänzung zum theoretischen Umgang mit der Thematik in der Verfassung gesehen werden. Auch die Galerie ist als Initiierung eines Prozesses zu begreifen. Sowohl auf diskursiver, aber auch auf einer Partizipativen Ebene. Die Bilderrahmen können frei bespielt und von uns über einen längeren
Zeitraum kuratiert werden. Die Diskussion soll durch, noch nicht definierte Vortragsformate, angefacht und unterstützt werden. Während dieser moderierten Vortragsformate soll durch den Meinungsaustausch eine gemeinsame Position gesucht, nicht gefunden, werden und dieser Prozess des Suchens soll in weiterer Folge nach außen weitergegeben werden.

Der öffentliche Diskurs und die Präsentation des Entwicklungsprozesses soll nicht nur präsentiert werden, sondern wird durch die Idee des Pavillon der Common Ground erweitert. Dieser soll sowohl die Möglichkeit der Schaffung eines Common Grounds aus alltäglichen Materialien aufzeigen und zum Mitmachen anregen. All diese Ideen, sind so wie die Definition des Common Grounds in einen Prozess integriert und entwickeln sich im Laufe des Diskurses mit den Bürgern des Common Grounds weiter. Nichts ist in Stein gemeißelt. Wir
wollen Prozesse öffnen und dies auch über unsere Ausstellungsinhalte und Formate widerspiegeln.

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